Die Yanomami und Surui

Über Jahrtausende haben die Indigenen bewiesen, dass man den Lebensraum im Amazonas nutzen kann, ohne ihn zu zerstören. Doch der weltweite Rohstoffhunger droht diesen Lebensraum zu vernichten. Holzfäller und Goldwäscher dringen in Indigenenreservate ein – oft mit Waffengewalt. Die Zerstörung des Amazonas ist ein Menschenrechts- und Umweltproblem. Denn es wird nicht nur die Lebensgrundlage indigener Völker vernichtet, sondern auch der Klimawandel und Biodiversitätsverlust verschärft.

Die Territorien der indigenen Gemeinschaften der Yanomami und der Surui sind von Umweltzerstörung und Rohstoffabbau massiv betroffen. Seit vielen Jahren engagieren sich die visionären Häuptlinge Davi Kopenawa Yanomami und Almir Narayamoga Surui für die Anerkennung ihrer Rechte und den Schutz ihrer Reservate. Wegen ihrem Engagement werden beide immer wieder mit dem Tod bedroht.

Die Reise

Um die Dringlichkeit ihrer Anliegen bei UNO; Wirtschaft und Politik aufzuzeigen, reisen im Juli 2017 Indigenen-Vertreter aus Brasilien und Peru nach Europa – mit Unterstützung der GfbV. Zur Delegation aus Brasilien gehören Häuptling Davi Kopenawa Yanomami sowie Agamenon Surui, Bruder des bekannten Häuptlings Almir Surui. Sie klären bei verschiedenen Stellen und Persönlichkeiten über die dramatische Lage im Amazonas auf.

Im Rahmen des Filmprojektes «Amazonian Cosmos» begleitet der renommierte Dokumentarfilmer Daniel Schweizer die Yanomami und Surui auf ihrer Aufklärungsreise nach Europa und Nordamerika. Der Film regt dazu an, die Welt aus dem Blickwinkel der Indigenen zu betrachten und macht auf ihre prekäre Situation aufmerksam. So erzielt die Reise der Indigenen eine noch grössere Aufmerksamkeit! Voraussichtlich im Frühjahr 2018 kommt der Film in die Kinos.

Etappen

Die Schweiz ist das erste Zwischenziel der Reise, da Genf der Sitz der Vereinten Nationen und der UN-Sonderberichterstatterin für die Rechte indigener Völker ist. Diese Treffen sind wichtig für die Erarbeitung eines Berichtes über die Gewalt und Misshandlungen, denen Indigene in Brasilien ausgesetzt sind.

Paris ist das zweite Etappenziel. Dort wird ein Treffen mit anderen NGOs stattfinden. Eines davon ist Planète Amazone. Für 2017 plant Planète Amazone ein grosses Treffen für Indigenenvertreterinnen und -vertreter aus der ganzen Welt, um sie gemeinsam für den Schutz des Planeten zu mobilisieren. In Frankreich soll ebenfalls ein Treffen mit der Entourage des Dalai Lama stattfinden, um die Rolle der spirituellen Kräfte für den Naturschutz zu diskutieren.

Das dritte Etappenziel wurde von den Surui vorgeschlagen. Sie möchten Papst Franziskus treffen. Spiritualität ist für die Amazonas-Indigenen von grosser Bedeutung. Sie glauben, dass die schamanistischen Geister im Wald und in ihrer Umwelt leben. Die Surui möchten mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche Lösungen diskutieren, da der Papst in einer seiner Publikationen die Wichtigkeit der Öko-Spiritualität der Amazonas-Indigenen anerkannt hat.

Die letzte Etappe führt die Indigenen in die USA. Dort werden sie ihre nordamerikanischen indigenen Schwestern und Brüder treffen. Anschliessend folgt ein Treffen mit Google Earth in San Francisco. In enger Zusammenarbeit entwickeln Google Earth und die Surui seit einigen Jahren ein Programm zur Überwachung des Gebietes der Surui. Die Surui erhoffen sich, die Abholzung auf ihrem Gebiet möglichst in Echtzeit zu erkennen. Dieses Projekt ist auch für die Yanomami von Interesse, da ihr Gebiet von tausenden illegalen und bewaffneten Goldgräbern bedroht und angegriffen wird. Mit moderner Technologie sollen illegale Eindringlinge aus der Luft erkannt werden.

Blog

Christoph Wiedmer, Co-Geschäftsleiter der Gesellschaft für bedrohte Völker, wird die Yanomami und Surui Delegation während ihrer Reise in die Schweiz und Frankreich begleiten. Im Vorfeld reist er nun selber in den Amazonas, um die Indigenen-Vertreter und ihre Völker in ihrem heimatlichen Umfeld persönlich kennenzulernen. Mit seinen Blogeinträgen berichtet Christoph von seinen Erlebnissen im Amazonas und hält uns auf dem Laufenden bezüglich der Indigenen Problematik im Amazonas.

Ende der ersten Etappe der Amazonas Aufklärungsreise

Ende der ersten Etappe der Amazonas Aufklärungsreise

Juli 16, 2017

Wir treffen uns um Mittag bei Jean und Silvi von der Organisation Aquaverde, die die Surui begleiten, im nahen Frankreich. Wir machen einen Ausflug in ein schönes Tal in einem Naturschutzgebiet mit Wasserfällen und einer Fischzucht. Wir verarbeiten die letzten Tage bei Gesprächen und geniessen die Natur. Danach treffen wir uns bei einem Fischteich, wo … Weiterlesen

Amazonasindigene aus Peru und Brasilien halten einen gemeinsamen Vortrag im Musée d’ethnographie de Genève

Amazonasindigene aus Peru und Brasilien halten einen gemeinsamen Vortrag im Musée d’ethnographie de Genève

Juli 14, 2017

Seit langem endlich einmal ein Morgen zum Ausruhen. Am frühen Nachmittag besuchen wir das Ethnographische Museum von Genf. Letztes Jahr führten sie eine weit beachtete Sonderausstellung zu den Amazonasindigenen durch. Sie besitzen zudem eine grosse Sammlung von Objekten, Gesängen und Fotos der Amazonasindigenen. Die Angelegenheit ist zwiespältig: Einerseits können im feuchtheissen Klima des Amazonas die … Weiterlesen

Tag der UNO: im Gespräch mit der Sonderberichterstatterin Victoria Tauli Corpuz

Tag der UNO: im Gespräch mit der Sonderberichterstatterin Victoria Tauli Corpuz

Juli 13, 2017

Heute ist der Tag der UNO. Um halb 10 treffen wir die Sonderberichterstatterin für die Rechte indigener Völker, Victoria Tauli Corpus. Sie hat eine Gewaltsarbeit zu leisten, sollte sie sich um alle Probleme der indigenen Völker der Welt kümmern. Die UNO stellt aber kaum finanzielle Mittel zur Verfügung. Sie kann aber Berichte erstatten und Medienmitteilungen … Weiterlesen

„Wer nichts zu verbergen hat, hat auch vor einer Kamera keine Angst“

„Wer nichts zu verbergen hat, hat auch vor einer Kamera keine Angst“

Juli 12, 2017

Wir haben einen etwas verrückten Tag vor uns. Die Indigenen wünschten sich, Gespräche mit Firmen zu führen, die Gold beziehen und verarbeiten. Eine der weltgrössten Goldraffinerien, Argor Heraeus, ist für einen Besuch der Indigenen bereit. Wir nehmen mit einem Kleinbus die lange Reise unter die Räder und verbringen daher den grössten Teil des langen Tages … Weiterlesen

Erstes Treffen der Yanomami und Suruí

Erstes Treffen der Yanomami und Suruí

Juli 11, 2017

Die Eindrücke der vergangenen Tage in Demini lassen uns nicht los. Die uns bekannte „Zivilisation“ bleibt uns anfänglich fremd. So viele Autos, Stress, Lärm. Ein kleines Detail: Während wir in Demini nie irgendwelche Probleme gesundheitlicher Art haben, erwischt uns eine Magenverstimmung nach einem Mittagessen, als wir zurück in Boa Vista sind. Der Rückflug in die … Weiterlesen

Ein schwerer Abschied von der Yanomami Dorfgemeinschaft

Ein schwerer Abschied von der Yanomami Dorfgemeinschaft

Juli 10, 2017

Leider ist heute bereits Abschied. Früh am Morgen findet die Verteilung der Geschenke an die Gemeinschaft statt. Damit es keinen Streit gibt, verteilt Davi die Gaben. Es gab aber auch Sonderwünsche: Mein gelbes Frottiertuch hat gleich mehreren Leuten gefallen, und es war nicht einfach, eine Lösung zu finden, wer es behalten kann. Der Abschied fällt … Weiterlesen

Mit den Yanomami auf der suche nach Açaí

Mit den Yanomami auf der suche nach Açaí

Juli 9, 2017

Heute ist eher der Tag der Männer. Wir gehen Açaí suchen. Açaí ist eine sehr elegante und feine Palme mit grossen Wedeln an Früchten, die aber sehr klein sind. Dafür geschmacksvoll und nahrhaft. Diesmal laufen wir nur etwa 40 Minuten. Dann zeigen die jungen, drahtigen Männer, was sie können: Aus Rinde wird ein Fussring geflochten, … Weiterlesen

Die Magie des gemeinsamen Fischfang

Die Magie des gemeinsamen Fischfang

Juli 8, 2017

Heute ist das Wetter deutlich besser. So um Sieben kommt die Nachricht, dass die Frauen unterwegs zum Fischen sind. Wir starten los mit ein paar Männer und treffen die Frauem mit ihren Kindern tief im Wald, nach einer halben Stunde Lauf. Etwa 50 Personen, die sich auf den Fischfang vorbereiten, die letzten Bemalungen anbringen, um … Weiterlesen

Das tägliche Leben im Dorf Demini

Das tägliche Leben im Dorf Demini

Juli 7, 2017

Wir bereiten uns auf das traditionelle Fischen der Yanomamigemeinschaft vor. Frühmorgens gehen wir zu den Frauen, die in einem ihren Pflanzplätze, „roça“ genannt, in etwa 20 minütiger Gehdistanz korbweise Blätter eines giftigen Baumes sammeln. Die Roça besteht vor allem aus Maniok, Bananen und Zuckerrohr – und eben jenes Gebüsches. Schwer beladen kommen die Frauen zurück … Weiterlesen

Dirty Gold in Boa Vista

Dirty Gold in Boa Vista

Juli 6, 2017

Unser Hotel liegt an der Strasse mit dem Übernamen Goldstrasse. Hier nun sind die Dutzenden von kleinen Goldeinkäufern, die das illegale Gold, oft aus dem Gebiet der Yanomami, aufkaufen. Oft verstecken sie sich unter der Bezeichnung Juweliergeschäft, da der offizielle Goldkauf eigentlich verboten ist. In Wirklichkeit ist es Gold, das den Indigenen gestohlen wurde, das … Weiterlesen

Zuhause bei den Yanomami

Zuhause bei den Yanomami

Juli 5, 2017

Zwei Taxis führen uns zum Flughafen. Wir, das heisst das Filmteam, Jaider, Dario mit seiner Tochter und ein lokaler Helfer hoffen, dass das Flugzeug wirklich fliegen kann. Juni und Juli liegen nämlich in der Regenzeit, und bei besonders heftigen Regenfällen bleiben die Flugzeuge auf dem Boden. Zudem ist gestern ein Flugzeug mit 5 Personen abgestürzt … Weiterlesen

Treffen mit dem indigenen Künstler Jaider Esbell

Treffen mit dem indigenen Künstler Jaider Esbell

Juli 4, 2017

In der Nacht hat es massiv geregnet. Das beunruhigt uns etwas, denn das Flugzeug wird uns nur zum Dorf Demini bringen, wenn keine Gewitterstürme drohen. Wir haben zwar noch zwei Tage Zeit und das Flugzeug ist sehr gut, doch wäre eine Verzögerung ziemlich einschneidend. Morgen werden wir mit dem Piloten sprechen und hoffen auf eine … Weiterlesen

Einkaufstour in Boa Vista für die Yanomami

Einkaufstour in Boa Vista für die Yanomami

Juli 3, 2017

Die Erfüllung von Davis Wunschliste als Geschenke für das Dorf prägt den heutigen Tag. Angelhaken, Blei, Hängematten, Sandalen, Buschmesser, Pfannen und so weiter müssen eingekauft werden. Eder, ein Mitarbeiter der Hutukara, der Yanomamiorganisation in Boa Vista, kennt die Läden, in denen die Yanomami gerne einkaufen. Und er kennt auch die richtigen Marken der Instrumente – … Weiterlesen

Zwei Flüge und eine wilde Taxifahrt später – endlich in Boa Vista angekommen

Zwei Flüge und eine wilde Taxifahrt später – endlich in Boa Vista angekommen

Juli 2, 2017

Über den Flug gibt es nicht viel zu berichten. Von Zürich flog mich die TAP nach Lissabon, wo ich zum Filmteam Daniel Schweizer, Patrick Tresch und Fabiano D’Amato stiess. Zusammen flogen wir weiter nach Brasilia, wo wir in der Nacht in den hohen Norden Brasiliens, nach Boa Vista, weiterflogen. In einer typischen warmen Tropennacht fuhren … Weiterlesen

Spenden

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Über uns

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist eine internationale Menschenrechtsorganisation, die sich für verfolgte Minderheiten und indigene Völker einsetzt. Wir dokumentieren Menschenrechtsverletzungen, informieren und sensibilisieren die Öffentlichkeit und nehmen die Interessen der Betroffenen gegenüber Behörden und Entscheidungsträgern wahr. Wir unterstützen lokale Bemühungen zur Stärkung der Menschenrechte von Minderheiten und indigenen Völkern und arbeiten national sowie international mit Organisationen und Personen zusammen, die ähnliche Zielsetzungen verfolgen.

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Dank

Die Reise der Yanomami und Surui wird ermöglicht durch Spenden von Unterstützerinnen und Unterstützern. Herzlichen Dank an alle Beteiligten!