Seit langem endlich einmal ein Morgen zum Ausruhen. Am frühen Nachmittag besuchen wir das Ethnographische Museum von Genf. Letztes Jahr führten sie eine weit beachtete Sonderausstellung zu den Amazonasindigenen durch. Sie besitzen zudem eine grosse Sammlung von Objekten, Gesängen und Fotos der Amazonasindigenen. Die Angelegenheit ist zwiespältig: Einerseits können im feuchtheissen Klima des Amazonas die Objekte der Indigenen nicht langfristig konserviert werden, andererseits schmerzt es, wenn man weiss, dass die meisten Objekte ohne Einverständnis der Indigenen bezogen wurden und weit weg ihrer eigenen Kultur ausgestellt werden. So verläuft auch ein Treffen von Davi mit dem wohl renommiertesten Schweizer indigenen Fotografen René Fuerst. Er gehörte zu den ersten weissen Menschen, die mit den Yanomami Kontakt aufnahmen. Aus seiner Zeit – anfangs der 60er Jahre – sind wertvollste Fotos erhalten, und er publizierte etliche Bücher über die Indigenen des Amazonas. Bei Davi Yanomami aber löst das Treffen auch Erinnerungen an diejenigen weissen Menschen in seinem Dorf aus, die Tod – auch den frühen Tod seiner Mutter – und Verderben über ihre Dörfer brachten. René Fuerst hingegen setzte sich für die Indigenen ein und wurde daher von der damaligen Militärregierung sogar zur persona non grata erklärt und durfte Brasilien viele Jahre lang nicht mehr bereisen.

Am Abend führen wir im Museum einen gut besuchten Vortrag zur Situation der Indigenen im Amazonas durch. Es sprechen Davi Yanomami, Arildo Suruí und Julio Cusurichi. Es entwickelt sich eine spannende Diskussion mit verschiedenen Voten und führt zu Solidaritätsbekundungen von im Publikum vertretene Personen anderer indigener Völker und Minderheiten, die ähnliche Repressalien erfahren wie die Amazonasindigenen.