Wir bereiten uns auf das traditionelle Fischen der Yanomamigemeinschaft vor. Frühmorgens gehen wir zu den Frauen, die in einem ihren Pflanzplätze, „roça“ genannt, in etwa 20 minütiger Gehdistanz korbweise Blätter eines giftigen Baumes sammeln. Die Roça besteht vor allem aus Maniok, Bananen und Zuckerrohr – und eben jenes Gebüsches. Schwer beladen kommen die Frauen zurück und besorgen sich noch die Früchte des Baumes Urucum, die die rote Farbe enthalten, mit der sie sich bei jeder grösseren gemeinschaftlichen Aktivität bemalen. Die Kinder und die Frauen, die sich in grosser Zahl für den Fischfang einsetzen, beginnen sich zu bemalen. Doch dann beginnt es zu regnen, so lange und heftig, dass wir den Fischfang verschieben müssen. Wir sind dafür überrascht, wie gut das Rundhaus gegen den Regen schützt. Das gesamte Material stammt nämlich aus dem Wald: Blätter fürs Dach, Lianen fürs Verweben der Blätter und fürs Verschnüren der Balken, die ebenso aus dem Wald stammen. Auf das Dach prasselt der Platzregen, drinnen ist es gemütlich. Allerdings muss ich doch die Hängematte verschieben – es liegt direkt unter einer der wenigen Löchern im Dach, wo es zunehmend tropft.

So erkunden wir das tägliche Leben der Yanomami. In einem kleinen Haus wird auf einem Feuer „Beiju“ gebacken, ein Maniokfladen, der wie Brot gegessen wird. Das Maniok ist das Hauptnahrungsmittel, gefolgt von der Kochbanane. Aufregung entsteht bei der Ankuft von Jägern: Eine Gruppe hat einen Affen mit den Pfeil erbeutet, ein anderer hat mit seinem Hund ein Nagetier gejagt. Die Tiere werden aufbereitet, meist unter Beihilfe der ganzen Familie. Dies ist sicher keine Arbeit für Vegetarier oder Veganerinnen. Hier wird alles gegessen, was essbar ist.