Unser Hotel liegt an der Strasse mit dem Übernamen Goldstrasse. Hier nun sind die Dutzenden von kleinen Goldeinkäufern, die das illegale Gold, oft aus dem Gebiet der Yanomami, aufkaufen. Oft verstecken sie sich unter der Bezeichnung Juweliergeschäft, da der offizielle Goldkauf eigentlich verboten ist.

In Wirklichkeit ist es Gold, das den Indigenen gestohlen wurde, das Konflikte verursacht, den Regenwald zerstört, die Flüsse vergiftet. Vor einigen Jahren hat die Bundespolizei eine Grossrazzia gemacht – die ganze Strasse war gesperrt, viele „Juwelierläden“ geschlossen – um bald danach wieder aufzumachen. Zu viele mächtige Personen bis hin zu hohen Politikern machen das grosse Geschäft mit dem Gold. Die Yanomami meiden diese Strasse, zu gross ist der Respekt vor diesen Menschen, welche schon hohe Kopfgelder auf Davi Yanomami und andere Kritikern des Goldgeschäfts gesetzt haben.

 

Danach besuche ich Dario Yanomami. Der Mitt-Dreissiger ist der Sohn von Davi Yanomami und wird uns auf der Reise nach Genf mit seiner Frau begleiten. Er ist der Vizepräsident der Hutukara, der Yanomamiorganisation in Boa Vista. Vor etwa 12 Jahren hat der seine Gemeinschaft verlassen und lebt in den Städten und setzt seinen Einsatz für sein Volk dort fort. Er fühlt sich aber weiterhin sehr stark mit seiner Gemeinschaft verbunden, auch wenn er in der „modernen“ Welt lebt. In seiner Familie wird weiterhin konsequent Yanomami gesprochen. Wir besprechen die Reise und mögliche längerfristige Zusammenarbeit vor allem im Bereich Gold.

Danach besuche ich das Institut Sozio-Umwelt, ISA. Auch sie führen einen mutigen und sehr kompetenten Kampf gegen die Goldwäscher und für die Demarkierung und alternative Einkommen für die Indigenen. Und auch ISA wurde schon Opfer von einem bewaffneten Überfall, bei dem es nicht um Diebstahl ging, sondern klar um eine Einschüchterung.