1986, kurz nach Abschluss des Studiums, bereiste ich zum ersten Mal den Amazonas. Die Bedrohung durch die rasante Zunahme der Abholzung des weltgrössten Regenwaldes machte damals schon weltweit Schlagzeilen.

Schon damals interessierten mich die sagenumwobenen indigenen Völker, die zum Teil noch sehr traditionell im und vom Wald lebten, ohne ihn zu zerstören. Doch ich wollte nicht als Gaffer fremde Kulturen besuchen gehen.

Nach der neuen Verfassung von 1988 schöpften die Indigenen Brasiliens Hoffnung: Viele Gemeinschaften begannen, ihr Gebiet zu demarkieren, damit sie als indigene Territorien unter Schutz gestellt werden können. Die Indigenenschutzbehörde FUNAI hatte nicht mehr die «Zivilisierung» der Indigenen zum Ziel, sondern ihre Eigenart zu bewahren und ihnen die Landrechte zu gewährleisten.

Aufgeschreckt wurden wir durch die verheerende Umwelt- und Indigenenpolitik, die die neue Regierung seit Herbst 2016 eingeschlagen hat. Der Demarkierungsprozess wurde gestoppt – indigen Gemeinschaften wissen nun nicht, wann und überhaupt ob sie ihre Landrechte erhalten werden. Und neue Gesetze sollen künftig sogar industriellen Rohstoffabbau und Infrastrukturbauten in Indigenenreservaten zulassen, ohne Vetorecht der indigenen Bevölkerung. So entschloss sich die Gesellschaft für bedrohte Völker, dem Kampf der Indigenen mehr Gehör zu verschaffen. Eine besondere Gelegenheit bot ein neues Filmprojekt vom Regisseur Daniel Schweizer. Der Dokumentarfilmer möchte die Reise verschiedener Indigenen in die Welt des Nordens festhalten, die Sichtweise der Indigenen in den Vordergrund stellen und ihren Kampf einer breiten Öffentlichkeit vorstellen.

Wir stecken daher mitten in den Vorbereitungen für die Reise. Mit verschiedenen Institutionen der UNO machen wir zur Zeit Treffen ab. Dazu gehört der Expertenmechanismus zu den Rechten indigener Völker, der in der zweiten Juliwoche in Genf tagt. Es gehören aber auch die verschiedenen SonderberichterstatterInnen dazu, die oft klare und mutige Positionen gegenüber den Ländern vertreten, wenn zum Beispiel die Indigenenrechte mit den Füssen getreten werden, wenn die Wälder zerstört werden, wenn die Umwelt vergiftet werden, wenn die MenschenrechtsverteidigerInnen verfolgt, gefangen genommen oder gar ermordet werden.

Wir wollen aber auch die Auseinandersetzung mit der Goldindustrie suchen und die Firmen dazu zu bewegen, nur noch Gold, das einigermassen sauber produziert wurde, zu verwenden. Wir stellen erste Anzeichen eines Umdenkens in der Goldindustrie fest.