Zwei Taxis führen uns zum Flughafen. Wir, das heisst das Filmteam, Jaider, Dario mit seiner Tochter und ein lokaler Helfer hoffen, dass das Flugzeug wirklich fliegen kann. Juni und Juli liegen nämlich in der Regenzeit, und bei besonders heftigen Regenfällen bleiben die Flugzeuge auf dem Boden. Zudem ist gestern ein Flugzeug mit 5 Personen abgestürzt – 4 Tote, darunter drei der Umweltbehörde IBAMA, die gegen die Goldwäscher vorgehen wollten. Wilde Gerüchte über die möglichen Ursachen des Absturzes machen die Runde.

Tatsächlich verzögert ein heftiger Regen den Abflug um eineinhalb Stunden. Auf einem verlassenen Teil der Piste rosten über ein Dutzend kleine Flugzeuge, konfisziert und flugunfähig gemacht, denn sie gehörten illegalen Goldwäschern. Endlich gibt der Pilot, ein sehr erfahrener Mann mit breitem Lachen, das Zeichen zum Abflug. Während 70 Minuten fliegen wir erst über viele Rodungen und schmalen Waldflecken, dann nur noch über dichten Wald, ab und zu von einem braunen Fluss oder schwarzen See unterbrochen. Aus dem Flugzeug sehen wir das geschlossene Ringhaus zu Fusse des felsigen Berges Watoriki. Wir sind im Yanomamiterritorium angelangt.

Bei der Flugpiste, wo auch der Gesundheitsposten liegt, begrüssen uns einige Yanomami. Alle sind sehr freundlich, viele wirken scheu. Es ist sehr heiss und feucht. Die meisten sprechen nur Yanomami. Danach geht es in einem etwas mehr als halbstündigen Marsch zum Dorf Demini, dem Zuhause von Davi Yanomami.

Aus dem Wald treten wir endlich auf eine Lichtung, in deren Mitte die imposante Maloca liegt, wie die Yanomami ihr Rundhaus nennen. Wir treten durch eine der niedrigen Tore ein und stehen mitten in einer uns fremden, faszinierenden Welt. Gerade führen die Männer einen Tanz zur Heilung eines erkrankten Kindes durch. Wir werden freundlich aufgenommen. Davi, der Häuptling, zeigt uns, wo wir unsere Hängematten montieren können.

Gegen den zentralen Platz hin ist die Maloca offen, gegen den Wald geschlossen, versehen mit etwa 6 kleinen Eingängen. Drinnen ist es düster. Im Ringhaus gegen den Wald hin haben die Familien ihre Abteile. Allerdings sind diese offen, es gibt keine Wände. Alle Mitbewohner und Mitbewohnerinnen haben ihre eigenen Hängematten, es gibt kein einziges Bett. Zudem hat jede Familie eine Feuerstelle und eine Kochnische. Alle Frauen sind traditionell yanomamisch gekleidet: Lediglich ein knappes Lendenschürzchen schützt ihren Intimbereich, manchmal tragen sie selbst gemachte Ketten. Die meisten Männer tragen Shorts, ein paar auch ein T-Shirt. Nur noch drei Männer sind noch ganz nackt und tragen die traditionelle Penisschnur. Die Männer scheinen sich etwas stärker nach der Stadt auszurichten als die Frauen.

Wir richten uns ein und lassen diese Welt auf uns wirken. Wir merken schnell, dass die Menschen offen sind, sogar um gefilmt und fotografiert zu werden. Denn Bilder können die Faszination dieser Menschen, Kultur und Lebensweise besser wiedergeben als Studien oder schriftliche Berichte. Die grosszügige Aufnahme dieser Menschen ist alles andere als selbstverständlich, haben sie doch schon verheerende Erfahrungen mit Fremden, „com o homen branco“ (mit dem weissem Mann) gemacht, wie es Davi immer wieder betont.

So lernen wir uns gegenseitig kennen und gehen mit einigen von ihnen gegen Abend im nahenBächlein baden. Es entspringt nicht tief im Wald, ist kühl und absolut sauber. Vor allem die Kinder verweilen gerne dort. Beim Eindunkeln verstärkt sich das konstante Gegrille und Gezirpe, und der konstante Lärmpegel vermischt sich durch Knurren, Quaken und Trällern von Fröschen und Kröten sowie völlig fremd klingenden Rufe von den vielen Vögeln hoch oben in den Bäumen.